Morgens kommt er ins Büro, später als die anderen Kollegen. Während sein Computer hochfährt holt er sich einen Kaffee. Auf dem Weg zum Kaffeeautomaten tauscht er sich mit den Kollegen, die er dorthin trifft, über den neuesten Klatsch und Tratsch aus. Wenn er dann irgendwann an seinem Schreibtisch sitzt, surft er ein bisschen im Internet und dann auf Facebook herum…
So oder so ähnlich würden Außenstehende, Unwissende die Arbeit eines PR Managers beschreiben – meine Arbeit. Unzählige Male wurde ich mit solchen Vorurteilen konfrontiert. Die Neugierigen fragen immerhin: “Was machst du eigentlich?” Zugegebenermaßen klingt diese Frage eher nach der Anzweifelung meiner Daseinsberechtigung im Unternehmen. Daher nehme ich mir gern die Zeit, die Skepsis aus dem Weg zu räumen, durch eine umfassende Umschreibung und der Darlegung der Bedeutung meines Wirkens für das Unternehmen.

„Wir machen mal ein bisschen PR“

Wenn eine neue Firma entsteht, dann liegt die Verantwortung der Kommunikationsarbeit häufig beim Geschäftsführer – aufgrund des Mangels an Fachwissen wird diese Arbeit jedoch eher schlecht als recht erfüllt. Irgendwann folgt dann die Entscheidung “wir sollten mal mehr in PR machen!” – eine geflügelte Wendung, die häufig als DIE Wunderwaffe für die kurzfristige Steigerung des Absatzes gesehen wird. Also wird ein heilbringender PR Manager eingestellt – natürlich mit dem entsprechenden Erwartungsdruck. So kam auch ich in der Vergangenheit häufig zu meinen Jobs und “mache die PR”.

„Was habt ihr denn bisher schon gemacht? Gibt es eine Strategie? Habt ihr ein Markenhandbuch? Wo finde ich den Medienverteiler?“ – Das waren einige meiner ersten Fragen, auf die ich verwunderte Blicke erhielt. Damit begann also meine abenteuerliche Reise. Das anfängliche Nice-to-have „PR“ hat sich inzwischen zur Unternehmenskommunikation entwickelt – eine wichtige Kompetenz, die (neben der anfänglichen, reinen Öffentlichkeitsarbeit) das interne und externe Reputationsmanagement verantwortet und somit einen wertstiftenden Beitrag im Rahmen der Unternehmensstrategie leistet.

Grundlage dauerhafter Wettbewerbsvorteile

Dazu habe ich einen interessanten Ansatz von Lars Fischer gefunden, der sich mit der strategischen Bedeutung der Unternehmenskommunikation und deren Wertbeitrag für ein Unternehmen auseinandersetzt. Er zieht dabei Argumente aus der strategischen Managementlehre heran und betrachtet die Unternehmenskommunikation anhand der Ressourcentheorie – schließlich entscheiden die Ressourcen und Kompetenzen eines Unternehmens über Alleinstellungsmerkmale und Wettbewerbsvorteile. Wenn die Unternehmenskommunikation wertstiftend, einzigartig, nicht imitierbar und auch nicht substituierbar ist, dann ist sie die Grundlage dauerhafter Wettbewerbsvorteile.

Schließlich lassen sich die Erfolge meiner Arbeit nicht so ohne Weiteres in harten Zahlen ausdrücken, wie beispielsweise im Vertrieb oder im Online Marketing. Meine Erfolge spiegeln sich vielmehr in einem hohen Bekanntheitsgrad und einem guten Ruf wider – somit unterstütze ich den Vertrieb bei der Absatzsteigerung und das Online Marketing bei der Steigerung der Klickzahlen. Der Fokus meiner Arbeit liegt vorwiegend auf den folgenden Bereichen:

_Brand Management: Mit Hilfe der mir zur Verfügung stehenden Kommunikationsinstrumente präsentiere ich die ausgangs definierte Unternehmensidentität (die Corporate Identity). Ich verdeutlich also die Vorteile und den Nutzen unserer Produkte gegenüber unseren Anspruchsgruppen und grenze das Unternehmen damit vom Wettbewerb ab.

_Reputation Management: Der Ruf der Marken, die ich verantworte, ist essentiell für den Erfolg. Daher überwache und beeinflusse ich diesen ständig mittels gezielter Kommunikationsmaßnahmen.

_Issues Management: Durch aktives und regelmäßiges Medienmonitoring identifiziere ich möglichst frühzeitig relevante Themen und Entwicklungen am Markt, um darauf zu reagieren – Informationen und Kommunikation sind ein elementarer Bestandteil meiner täglichen Arbeit.

-Öffentlichkeits- und Medienarbeit: Der Aufbau eines breiten Kontaktnetzwerks ist eine wichtige Grundlage der Bekanntheitssteigerung und des Reputationsmanagements. Durch das regelmäßige Bereitstellen von Informationen mithilfe der mir zur Verfügung stehenden Mittel (z.B. Newsletter, Pressemitteilungen etc.) und ein hohes Maß an Transparenz halte ich mein Netzwerk auf dem Laufenden, um so eine Vertrauensbasis zu schaffen und mein Unternehmen in den Medien zu platzieren.

_Messen & Events: Wir präsentieren uns auf relevanten Messen und veranstalten mittlerweile eigene Events. So schaffen wir Nachrichten und Botschaften, die wir wiederum in der Kommunikationsarbeit nutzen können. Außerdem treffen wir die verschiedensten Anspruchsgruppen persönlich, um Kontakte aufzubauen und zu pflegen.

_Social Media: Die Ausweitung des Reputations- und Kommunikationsmanagements auf die sozialen Medien ist mittlerweile unerlässlich – schließlich lassen sich wichtige Anspruchsgruppen direkt erreichen. Doch hier ist ein besonders hohes Maß an Transparenz und Sensibilität erforderlich, die User strafen gezielte oder manipulierende Werbebotschaften schnell ab.

Die Überraschung nach dem ersten Kaffee

Die Arbeit in der Unternehmenskommunikation ist also nicht so nebenbei erledigt – oftmals ist es ein harter Kampf, die nötige Anerkennung im Unternehmen sowie nach Außen hin einen guten Ruf für das Unternehmen zu erlangen. Das gelingt nur mit möglichst viel Offenheit und Vertrauen. Aber gerade hierin liegt die Herausforderung, die mich so reizt. Denn wenn ich morgens ins Büro komme, mir den ersten Kaffee hole, mit den Kollegen den neuesten Klatsch ausgetauscht und im Internet gesurft habe, dann weiß ich noch nicht genau, welche unvorhersehbaren Ereignisse mir bevorstehen und mein Handeln verlangen.

Photo by floeschie

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