Empörung schafft Neues

Die Angst, viel mehr die Unsicherheit, die Wut und die Trauer, bestimmen dieser Tage unsere Gefühle und Gedanken. Und damit verbunden auch die Frage „Wie geht es nun weiter?“

„Wir alle sind aufgerufen, unsere Gesellschaft so zu bewahren, dass wir stolz auf sie sein können: nicht diese Gesellschaft der in die Illegalität Gedrängten, der Abschiebungen, des Misstrauens gegen Zuwanderer (…).“

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Befreiuung der deutschen Konzentrationslager im Jahr 2005 traf ich den Verfasser dieser Worte, den französischen UN-Diplomaten, den ehemaligen Widerstandskämpfer und KZ-Häftling Stéphane Hessel. Ein Mann, dessen Mut und Lebenswille sowie dessen Gedanken und Handeln einen bleibenden, einprägsamen Eindruck hinterlassen hat – nicht nur bei mir.

Es sind eben diese Worte, die bereits im Jahr 2010 in seiner Streitschrift „Empört Euch!“ erschienen sind und heute in aktueller denn je sind. Es sind diese Worte, die eine Antwort liefern, heraus aus der Schockstarre und der Hilflosigkeit, aufgrund der Geschehnisse in Paris, ja in ganz Europa, der Geschehnisse der letzten Jahre in der ganzen Welt. Nun ist es mehr denn je an uns, zu zeigen, dass wir uns nicht unterkriegen lassen, die Angst uns nicht lähmt, sondern wir uns gegen die Unterdrückung von Minderheiten einsetzen – eben auch demonstrativ dieses Leben genießen und feiern, dass die Terroristen so sehr verabscheuen.

„Terrorismus wirkt nicht. Wirksamkeit setzt gewaltlose Hoffnung voraus. (…) Wir müssen begreifen, dass Gewalt von Hoffnung nichts wissen will. Die Hoffnung ist ihr vorzuziehen – die Hoffung auf Gewaltlosigkeit. Das ist der Weg, den wir einschlagen müssen.“

Wie viele andere habe auch ich am vergangenen Freitag und den folgenden Tagen die Nachrichten verfolgt, voller Fassungslosigkeit, Trauer und Wut. Ich habe viele Gespräche geführt, um zu verstehen, was vielleicht gar nicht zu verstehen ist. Umso wichtiger ist es eben, aktiv zu werden, sich zu empören, sich zu engagieren – weit hinaus über das blau-weiß-rote Einfärben des Facebook-Profils oder das Twittern von Gebeten (von zumeist Ungläubigen).

„‚Ohne mich‘ ist das Schlimmste, was man sich und der Welt antun kann. Den ‚Ohne mich‘-Typen ist eines der absolut konstitutiven Merkmale der Menschen abhanden gekommen: die Fähigkeit zur Empörung und zum Engagement. (…) Den Männern und Frauen, die das 21. Jahrhundert gestalten werden, rufe ich aus ganzem Herzen und in voller Überzeugung zu:

Neues Schaffen heißt
Widerstand leisten.
Widerstand leisten heißt
Neues Schaffen.“

Photo by Abode of Chaos

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