FUCK BUSY: nächstes Jahr wird alles anders

„Was für ein Jahr!“, beginnt unser Geschäftsführer die Eröffnungsrede zur Weihnachtsfeier.

„Was für ein Jahr!“, seufzen wir fast bedächtig im Gleichklang bei den Gesprächen im Büro und den abendlichen Glühweinrunden auf dem Weihnachtsmarkt.

„Was für ein Jahr?“, raune ich erschöpft vor mich hin, als ich endlich im Zug zur Familie und dem bevorstehenden Weihnachtsfest sitze.

Ja, es war tatsächlich ein außergewöhnliches Jahr. Gar nicht so sehr aufgrund konkreter Vorkommnisse, die es natürlich wie in jedem Jahr gab. Das Außergewöhnliche daran war vielmehr die Fülle an Ereignissen und neuen Erfahrungen – so viele wie in keinem Jahr zuvor. Ich habe das Gefühl, von Jahr zu Jahr beschleunigt sich das Zeitgeschehen, von Jahr zu Jahr steigt die Dichte an Ereignissen, Erlebnissen, Ideen, Bekanntschaften und auch an den verschiedensten Emotionen.

Zwei wichtige Erkenntnisse ziehe ich aus diesem Jahr, zwei wichtige Orientierungen für 2016:

1. FUCK BUSY

„Sorry, ich kann heute Abend leider doch nicht, ich muss noch eine Präsentation fertigmachen“ oder „Ich komme später, ich habe noch ein spontanes Meeting“. Wie oft habe ich in diesem Jahr solche oder ähnliche Nachrichten an Freunde verschickt! Wie oft habe ich die schönsten Sonnenuntergänge vom Schreibtisch aus beobachtet, statt im Biergarten?

Im letzten Jahr habe ich mich stark auf meine berufliche Entwicklung konzentriert, darunter haben meine frische Ehe und Freundschaften gelitten. Doch wozu der ganze Stress? Ist mir ein schicker Lebenslauf das alles Wert? Ist mir ein höheres Einkommen wichtiger, als die kostbare Zeit mit den Menschen zu verbringen, die mir wirklich wichtig sind? Unzählige Male wurde ich in diesem Jahr gefragt: „Ach, gibts dich auch noch?“

2016 wird anders, unter dem Motto „FUCK BUSY“. Der Job ist gekündigt, um mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge zu haben, und neue Pläne sind auch geschmiedet. Neue berufliche Herausforderungen warten ab Februar auf mich, mit geregelten Arbeitszeiten.

FUCK BUSY – statt Karriere neue Orte entdecken, neue Menschen kennenlernen und viel Zeit mit Familie und Freunden verbringen – sich dabei vom Zufall leiten lassen, nicht ständig alles planen und die Zügel mal locker zu lassen. Denn: „Coincidences mean you’re on the right path.“ (Simon Van Booy)

2. WHERE THE MAGIC HAPPENS

Meist ist es unbequem, Dinge zu ändern, die einen stören – es ist meist mit Aufwand verbunden, die alten Routinen aufzubrechen und Neues zuzulassen. Aber es lohnt sich. Ich habe aufgehört, mich über Gegebenheiten aufzuregen, die ich eh nicht ändern kann.

Wir investieren bzw. verschwenden mehr Zeit, wenn wir uns den Kopf darüber zerbrechen, was oder wer wir gern wären, statt es einfach zu tun.
Deshalb äußere ich meinen Ärger, meine Unzufriedenheit und mische mich ein – in 2015 sogar auch öffentlichkeitswirksam.

„Menschen fühlen sich auf einmal für ihr eigenes Leben nicht mehr kompetent genug und daraus entsteht eine merkwürdige Expertenverehrung“, schrieb Manfred Lütz vor Kurzem in der FAZ. Schmeißt die Glücksratgeber von irgendwelchen selbsternannten Experten weg!

Raus aus der Komfortzone, neugierig bleiben, kein Ja-Sager werden, neue Entwicklungen bzw. Veränderungen anregen und zulassen – und die Konsequenzen als Früchte des eigenen Handelns betrachten. Das ist in den meisten Fällen nicht der einfachste und bequemste Weg, aber der lohnendste. Auf diese Weise habe ich 2015 tolle Menschen kennengelernt, neue Impulse erhalten und auch neue berufliche Herausforderungen haben sich so aufgetan.

FUCK BUSY! 2016 kann kommen!

Photo by quinn.anya