Mit der Veröffentlichung meines Beitrags auf SPIEGEL ONLINE hat heute eine Diskussion weiter an Fahrt aufgenommen, die schon lange überfällig war. Ich war ganz erstaunt, wieviele Menschen auf einmal doch etwas zum Thema Arbeitsbedingungen und Wahrnehmung der Arbeit in der Kommunikation zu sagen hatten. Wo wart ihr alle denn nur vorher?! Diese Reaktionen zeigen mir, dass es viel Gesprächs- und Optimierungsbedarf gibt. Mein Beitrag heute galt eben daher als Einladung, diesen Dialog öffentlich und vor allem gemeinsam zu führen.

Ich freue mich über die vielen Reaktionen und Ratschläge. Zugegeben, 80 Stunden sind sehr hoch gegriffen und eher eine Seltenheit, zwischen 40 und 60 bilden es eher ab, je nach Woche. Es geht mir auch gar nicht darum, zu jammern oder um Mitleid zu betteln, nicht einmal um Verständnis. Ich beschwere mich auch nicht über meine Vorgesetzten, nicht über den Job und auch nicht über die Arbeit. Ich mag diese Arbeit sehr (wie ich es auch schreibe), auch wenn sie nicht die großen Probleme unserer Menschheit löst – dessen bin ich mir bewusst.

Worum geht es mir wirklich

Ich will einen Dialog innerhalb dieser Branche, um darüber zu sprechen, wie unsere Arbeit wahrgenommen wird. In diesem Fall ist der Beitrag von Frank mit seinen ganz persönlichen 10 Ratschlägen ein Impuls für mich gewesen, zu beleuchten, wie wir aus meiner Perspektive arbeiten. Jeder hat seine eigene Weise gefunden, damit umzugehen, hierfür gibt es auch kein Standard-Rezept. Mein Chef hat seine eigene Art und Weise, ich habe meine – und das ist auch völlig akzeptabel. Und ich sage hier: für eine bestimmte Zeit kann ich das, denn ich bin wissbegierig und lerne jeden Tag dazu. In ein paar Jahren suche ich mir dann vielleicht einen ganz ruhigen Job, lehne mich zurück und betrachte diese Arbeitswelt aus einer anderen Perspektive – oder viel besser noch: diese Arbeitswelt und ihre öffentliche Wahrnehmung haben sich bis dahin gewandelt, weil wir heute diesen Dialog mit euch starten und ich bleibe weiter begeistert dabei. Mir und vielen geht es künftig vor allem um folgendes:

Wir sprechen über die Arbeitsbedingungen und verändern sie.

Wir arbeiten an der externen, korrekten Darstellung und Reputation der Arbeit unserer Branche.

Wir zeigen, wie wertvoll aber zugleich auch komplex und anspruchsvoll unsere Arbeit ist.

Mein Personalgespräch

Viele haben mich gefragt, ob ich heute ein Personalgespräch mit Frank hatte und wie dieses gelaufen sei. Nun: wir sprechen nicht erst seit heute miteinander. Wir haben beide Lust auf den oben beschriebenen Dialog und die konstruktive Auseinandersetzung mit allen Fragen und Kritikpunkten. In Zusammenarbeit mit unserem HR-Department wollen wir die Arbeitswelt in der Agenturbranche optimieren und weiter Impulse geben. Ich kann auch alle beruhigen, denn es gab und gibt keine Sanktionen, es gibt auch gar keinen Disput – wir haben vielmehr beide erkannt, dass es an der Zeit ist, dass sich etwas ändert und führen einen konstruktiven Dialog. Und ich hoffe, dass alle, die sich in den letzten Tagen in den unterschiedlichsten Kanälen zu Wort gemeldet haben, an diesem Dialog teilnehmen.

Nachtrag: Was mein Beitrag nicht ist

  • GEJAMMER: Ich habe mich bewusst für diese Arbeit entschieden und gehe darin auf, daher jammere ich nicht.
  • BESCHWERDE: Wenn ich mich beschweren wollte, wäre ich zu Frank ins Büro gelaufen und hätte dies getan.
  • DIFFAMIERUNG: Ich bin loyal, jedoch nicht opportun. An keiner Stelle erwähne ich, dass mein Arbeitgeber mich zu dieser Arbeit zwingt oder ausbeutet. Ich arbeite mit voller Leidenschaft, wer kann das schon von sich behaupten?
  • KAMPAGNE: Nein, es war nicht abgesprochen. Mal ganz im Ernst: Für einen PR-Coup hätte ich mir ein anderes Thema ausgesucht:)

Also, fangen wir an!

Photo by twid

Related Posts

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.