Ich bin außer Atem. Ich laufe einen langen dunklen Gang entlang. Panisch drehe ich mich um, denn ich höre Schritte. Es scheint mich jemand zu verfolgen, doch es ist zu dunkel, um die Person zu erkennen. Ich werde immer nervöser und fange an zu rennen. „Können Sie da bitte mal schnell anvisualisieren!“ Die Schritte werden schneller. „Das ist ja viel zu teuer für das bisschen Leistung.“ Es ertönt ein Raunen, gefolgt von lautem Stimmengewirr, das plötzlich unterbrochen wrd durch: „Das ist nicht on brand.“ Gefolgt von: „Wieso dauert das denn so lange?“ So schallt es lautstark über den Flur und kommt immer näher. Plötzlich packt mich etwas von hinten am Arm. Schweißgebadet wache ich auf. Es ist dunkel und meine Augen brauchen eine Weile, bis ich erkenne, wo ich bin. Ich liege im Bett und habe bloß schlecht geträumt.

So oder ähnlich würde ich vermutlich von meinem Arbeitsalltag träumen. Denn wusstet ihr, dass wir Deutschen am häufigsten von der Arbeit träumen? Das ergab eine Studie des Schlaflabors am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. „Der Job ist selten mit schönen Träumen oder positiven Gefühlen verbunden“, ist das Fazit der Untersuchung.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass der Job im Leben meiner Eltern je eine so große Rolle spielte. Da gab es wichtigeres. Beide haben auch keine Arbeit mit nach Hause gebracht oder bis weit in die Nacht hinein im Büro oder am heimischen Schreibtisch gesessen. Das hat sich in den letzten Jahren erst so entwickelt, denn heutzutage wollen wir in der Arbeit unsere Erfüllung finden und darin aufgehen können. Wenn wir gern arbeiten, dann auch mehr, als wir eigentlich müssten. Ein Artikel der ZEIT (Nr. 47, vom 13.11.2014) brachte genau auf den Punkt:

„Es ist schwer zu sagen, wann die Zeit begonnen hat, da die Arbeit selbst begonnen hat, zum Konsumgut zu werden und täglich ein ‘bereicherndes Erlebnis’ sein muss.“
Arbeit muss Spaß machen und uns bewegen, wir wollen uns selbst verwirklichen, Arbeit soll wertstiftend sein. Und aus diesem Verlangen heraus wurde die Arbeit zum unerlässlichen Teil unseres Lebens. Wir identifizieren uns mittlerweile maßgeblich über unsere Berufe. Das zeigt sich zum Beispiel, wenn wir uns Fremden vorstellen. In der Regel nennen wir unseren Namen, dann folgt meist direkt der Beruf. Oder wir werden direkt gefragt: “Und, was machst du so?”
Arbeit hat mittlerweile einen so wichtigen Stellenwert, es fällt uns schwer, nicht darüber zu reden oder daran zu denken. Eric Schmidt, Chairman von Google, spricht es sogar direkt aus und sagt, dass Arbeit nur dann gut sei, wenn wir überarbeitet sind:
„For many people, work is an important part of life, not something to be separated. The best cultures invite and enable people to be overworked in a good way, with too many important things, to do both at work and at home.“

Daher existiert das Konstrukt Work-Life-Balance für uns auch gar nicht, das Privatleben wurde von der Arbeitswelt nahezu okkupiert. Eine Lösung? Ich arbeite gerade daran, denn in allen bisherigen Jobs hat mein Privatleben zugunsten der Arbeit zurückgesteckt. Den Goldenen Schnitt wird es aber nicht geben – zumindest nicht von mir. Das muss jeder für sich selbst herausfinden.

Wie wäre es daher erstmal mit Work Detox – eine Anleitung, um sinnlose oder zeitraubende Aufgaben zu vermeiden? Das ist zumindest ein Anfang, denn täglich halten uns insbesondere lange Telefonate oder unnötige Meetings von der eigentlichen Arbeit ab.

„Don’t blunder about like a zombie. As you shuffle through your day all that ’stuff‘ might look like work or a productive activity, but it is just stuff. It’s your day, work through it consciously and know what you are meant to achieve.“

Photo by spatz_2011

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